Orthopädische Praxis
Dr. Martin Frömel
Lindenstraße 42
60325 Frankfurt-Westend

Telefon: 069 - 172817
Telefax: 069 - 174686
email: info@dr-froemel.de

 

Das Knie

A. Anatomie

B. Erkrankungen und Beschwerden

 

Anatomie

Das Kniegelenk (Articulatio genus) ist das größte Gelenk des Menschen. Es wird gebildet aus Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia) und der Kniescheibe (Patella).

Das Kniegelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk. Es besteht aus zwei Einzelgelenken, dem Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen (Articulatio femoropatellaris) und dem Gelenk zwischen Oberschenkel und Unterschenkel (Articulatio tibiofemoralis). Anatomisch gesehen zählt auch das Gelenk zwischen Schienbein und Wadenbein (Fibula) (Articulatio tibiofibularis) zum Kniegelenk.

An der Hinterseite des Kniegelenks liegt die Kniekehle (Fossa poplitea), in deren Tiefe wichtige Blutgefäße und Nerven verlaufen.

Erkrankungen und Beschwerden

1. Kniescheibenprobleme

Allgemeines
Die Kniescheibe ist als „Umschaltknochen“ in die Sehne des großen Oberschenkelmuskels (Quadrizeps) eingelagert und überträgt die Kraft von oben auf den Unterschenkel (Anheben des Beines, Streckung). Sie ist somit ein enorm wichtiges Bindeglied.
Die Kniescheibe läuft in einem eigenen Gelenk, in dem es insbesondere bei Beugung regelmäßig zu einem Anpressdruck in Höhe von mehreren 100 Kilopond kommt. Wenn die Kniescheibe wegen angeborener Störungen oder als Folge von Verletzungen nicht korrekt in diesem Gelenk gleitet, können starke Schmerzen entstehen, die oft mit Reibegeräuschen einhergehen.
Anfangs entstehen diese häufig beim Treppensteigen oder Bergabgehen, später auch bei normalem Gehen, längerem Sitzen und schwerem Tragen. Diese Schmerzen sind ein Zeichen für den „Schieflauf“ der Kniescheibe und für einen zunehmenden Knorpelverschleiß.

Behandlungsmöglichkeiten des Knorpelschadens an der Kniescheibe
Sind die Beschwerden nur mäßig ausgeprägt, versucht der Orthopäde, mit Hyaluronsäureinjektionen eine Heilung zu erreichen.
Sollte dies keinen Erfolg bringen, gibt es weitere Möglichkeiten der Behandlung: 

  • Gelenkspiegelung mit Knorpelabrasion
  • laterale Retinakulotomie, dies bedeutet die Lockerung der Kniescheibe zur Minderung des Anpressdruckes
  • Bei größeren Knorpeldefekten kann die Knorpelzelltransplantation mit MACI durchgeführt werden.

Dauer der Arbeitsunfähigkeit:
Bei einer “normalen“ Gelenkspiegelung können Bürotätigkeiten in der Regelschonam nächsten Tag wieder aufgenommen werden.
Allerdings gilt zu beachten:

  • Auf jeden Fall sollten trotz möglicher weitgehender Vollbelastung Gehhilfen für drei Tage als Unterstützung benutzt werden.
  • Erforderlich ist eine relative Schonung für eine Woche.
  • Für drei Wochen wird Physiotherapie mit entsprechendem Aufbau- und Koordinationstraining angeraten.

Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit richtet sich nach dem Arbeitsweg, dem benutzten Verkehrsmittel und dem Grad der bei der Arbeit anfallenden körperlichen Belastung. Patienten, die schwerere körperliche Arbeit verrichten, müssen in manchen Fällen bis zu sechs Wochen zu Hause bleiben.

Sportfähigkeit

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass nach Kniescheibenoperationen die volle Sportfähigkeit wiederhergestellt werden kann. Wichtig ist, unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten mit dem Sport zu beginnen.

 

 

2. Meniskusschäden

Allgemeines
Die Menisken sind sichelförmige Scheiben aus festem Gewebe, die im Kniegelenk auf dem Unterschenkel gelagert sind, um Stöße im Sinne einer Stoßdämpfung zu absorbieren. Dies schützt den Gelenkknorpel, gleichzeitig sorgen die Menisken für eine bessere Verteilung der Gelenkflüssigkeit.
Ein Meniskus kann durch Unfall, plötzliche starke Überlastungen oder altersbedingt einreißen oder regelrecht aufgefasert werden. Dabei entstehen oft frei bewegliche Teile im Gelenk, die zu schmerzhaften Einklemmungen führen können und den Gelenkknorpel schädigen. Akute oder chronische Knieschmerzen sind häufig auf einen Meniskusschaden zurückzuführen und müssen behandelt werden, auch um die Entstehung einer Arthrose zu verhindern.

Behandlungsmöglichkeiten des Meniskusrisses
Es bestehen zwei Möglichkeiten, den geschädigten Meniskus zu behandeln:

  • Im noch durchbluteten, randnahen Bereich wird der Meniskus genäht. Hierfür stehen verschiedene Techniken wie Fäden oder Pfeile zur Verfügung.
  • Ein Teil des Meniskus wird sorgfältig – unter größtmöglicher Schonung der gesunden Anteile – entfernt. In aller Regel muss nicht mehr als ca. 1/8 des Gewebes entfernt werden.

Dauer der Arbeitsunfähigkeit
Nach einer “normalen“ Gelenkspiegelung können im Büro arbeitende Patienten in der Regel  gleich am nächsten Tag wieder arbeiten gehen.
Allerdings ist zu beachten:

  • Auf jeden Fall sollten trotz möglicher weitgehender Vollbelastung Gehhilfen für drei Tage als Unterstützung mitgenommen und benutzt werden.
  • Eine relative Schonung ist für eine Woche erforderlich.
  • Angeraten wird Physiotherapie für drei Wochen mit entsprechendem Aufbau- und Koordinationstraining.
  • Nach einer Meniskusnaht darf der Patient das Knie vier Wochen nicht belasten und muss Gehhilfen benutzen.
  • Für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach einem Meniskusriss spielen das benutzte Verkehrsmittel, die Dauer des Arbeitsweges und die Schwere der Arbeit eine entscheidende Rolle. Patienten, die schwerere körperliche Arbeitverrichten, müssen in manchen Fällen sogar bis zu zwei Monate zu Hause bleiben.

Sportfähigkeit
Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass nach Meniskusoperationen die volle Sportfähigkeit wiederhergestellt werden kann. Nach Meniskusteilentfernungen dauert dies ca. einen Monat, nach Meniskusnähten etwa zwei bis drei Monate.
Wichtig ist ein Wiederaufbautraining unter Anleitung eines geschulten Therapeuten.

 

3.Kreuzbandrisse

Allgemeines
Die Kreuzbänder "VKB" (vorderes Kreuzband) und "HKB" (hinteres Kreuzband) sind die wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenks. 

Oft bemerken die Patienten im Moment der Verletzung ein „Knacken“ oder haben das Gefühl, dass etwas im Gelenk „zerreißt“. Wenn keine weiteren Strukturen geschädigt werden, tritt manchmal nur eine wenige Tage anhaltende Schwellung ein. Vor allem „Büromenschen“ haben dadurch im Alltagsleben keine besondere Einschränkung. 

Aber: Ein extrem wichtiges Sicherungssystem des Kniegelenks funktioniert in jedem Fall nicht mehr. Wenn die Kreuzbänder gerissen sind, ist das Kniegelenk in Drehbewegungen und in Bewegungen von vorne nach hinten nicht mehr stabil. Die Patienten bemerken ein unterschiedlich stark ausgeprägtes Instabilitätsgefühl, als „ginge das Knie weg“, oder sie empfinden sogar eine Blockierung. Bei größeren Belastungen werden Knorpel und Meniskus überbeansprucht und dadurch schnell stark geschädigt.

Auch mithilfe großer Muskelpakete, wie sie z. B. austrainierte Fußballer besitzen, oder mit gezieltem Training kann das Knie nicht stabilisiert werden. Das gerissene Kreuzband ist eigenmotorisch nicht zu ersetzen und sollte möglichst rasch operativ behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.
Bei anhaltenden Schmerzen bzw. bei Begleitverletzungen sollte dies umgehend geschehen, bei eher schmerzarmem Verlauf nach Abklingen der Schwellung.

Behandlungsmöglichkeiten
In den allermeisten Fällen ist eine Naht nicht möglich, das Kreuzband muss ersetzt werden.

Durchgesetzt hat sich heute die 4-fach Semitendinosus/Gracilissehne als Ersatz mit hervorragenden Ergebnissen. Die Fixierung erfolgt mit Bio-Schrauben oder einem Stift. Nur bei Revisionseingriffen verwende ich andere Sehnen (Quadrizepssehnenanteil, Patellarsehnendrittel).
Die im angelsächsischen Bereich oft verwendeten Leichentransplantate kommen auf dem europäischen Festland nur sehr wenig zum Einsatz. Persönlich habe ich mehrere kanadische Patienten nach derartigen Verfahren erneut operiert, bei denen die genannten Transplantate in relativ kurzer Zeit versagt hatten.
 

Dauer der Arbeitsunfähigkeit
Nach einer Kreuzbandrekonstruktion, die ambulant oder im Krankenhaus durchgeführt wird, kann der im Büro Arbeitende sehr schnell wieder arbeiten gehen. Einer meiner Patienten, ein Zahnarzt, stand bereits nach zwei Tagen wieder in seiner Praxis!
Allerdings ist zu beachten

  • Auf jeden Fall sollten trotz möglicher weitgehender Vollbelastung Gehhilfen für sieben Tage als Unterstützung benutzt werden.
  • Eine relative Schonung  ist für zwei bis drei Wochen erforderlich.
  • Für drei Monate wird Physiotherapie mit entsprechendem Aufbau und einem gezielten Koordinationstraining angeraten.
  • Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit richtet sich meist nach der Art des benutzten Verkehrsmittels und der Dauer des Arbeitsweges. Sie beträgt bei Büroarbeitern maximal 14 Tage, bei schwererer körperlicher Arbeit beziehungsweise bei stehender Tätigkeit unter Umständen auch ein bis zwei Monate Sportfähigkeit

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass nach einer Kreuzbandrekonstruktion die volle Sportfähigkeit wiederhergestellt werden kann. Dies erfordert eine Dauer von ca. drei bis vier Monaten, wichtig ist ein Wiederaufbau unter Anleitung. Profisportler dürfen erst nach vier bis fünf Monaten wieder an normalem Training teilnehmen.